10.06.16 09:27 Alter: 3 Jahre

5. BWK-Küstentag 2016 – Küstenschutz in der Wesermarsch

Rubrik: BWK

Am 29.04.2016 fand im Maritimen Kompetenzzentrum in Elsfleth der 5. BWK-Küstentag 2016 unter dem Motto „Küstenschutz in der Wesermarsch“ statt. Dieses Jahr organisiert von dem BWK Landesverband Niedersachsen und Bremen.

Der Landesvorsitzende Ulrich Ostermann eröffnete die Veranstaltung und führte durch den Vormittag. Als ersten Vortragenden begrüßte er Kay Nitsche vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Dieser überbrachte die Grußworte des niedersächsischen Umweltministers und führte durch seinen Vortrag in die aktuellen Themen zur Wasserwirtschaft in der niedersächsischen Küstenregion ein. Dabei ging es über aktuelle Themen wie z.B. die Novellierung des Niedersächsischen Wassergesetzes bis zu den Themen Masterplan Ems und Generalplan Wesermarsch.

 

Bild 1: Die Vortagenden des Tages (von links Kay Nitsche, Petra Henken, Volker Knuth, Kai Wienken, Ulrich Ostermann und Wilhelm Koldehofe)

 

Anschließend stellte Wilhelm Koldehofe vom Bremischen Senator für Umwelt, Bau und Verkehr den Hochwasserschutz in den außendeichsliegenden Gewerbegebieten Bremens vor. Es wurden Bereiche dargestellt, die nach dem Generalplan Küstenschutz keine ausreichenden Schutzvorkehrungen (z.B. Deichhöhen, Freibord) hatten. Danach musste an 11 verschiedenen Standorten die genaue Hochwassersituation untersucht werden. Hierzu wurden unterschiedliche technische Lösungen (vom grünen Deich bis zur Spundwand) berücksichtigt. Am Beispiel des Neustädter Hafens wurde gezeigt, wie verschiedene Varianten gegeneinander abgewogen und die letztendlich umgesetzte Variante gefunden wurde.

 

Für die Außendeichsiedlung Lemwerder erläuterte Kai Wienken vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft Küsten und Naturschutz (NLWKN) den vorhandenen sowie denen angestrebten Hochwasserschutz. Hierzu wurden die Varianten der verschiedenen Bauabschnitte dargestellt und der Lösungsweg für eine möglichst aussichtsreiche Entwurf- und Genehmigungsplanung anschaulich dargestellt. Ergänzend wurden besonders die frühestmögliche Öffentlichkeitsbeteiligung sowie die fortlaufende Darstellung des Planungsstandes auf den NLWKN-Internetseiten hervorgehoben.

 

Bild 2: Wie immer fand in den Pausen ein intensiver fachlichen Austausches statt.

 

Besonders schwierige Deichbauverhältnisse wurden von Petra Henken (NLWKN) für den südlichen Bereich des Jadebusens vorgestellt. Bei den Deichen wurde auf etwa 20 Kilometer Länge ein Unterbestick festgestellt. Aufgrund des schlechten Untergrundes (13-14 m Klei und Torf) würde hier eine weitere Deicherhöhung die Standsicherheit der Binnenböschung gefährden. Die Standsicherheitsprobleme werden noch durch einen erhöhten Porenwasserdruck im Sandkern des Deiches verstärkt. In dem Vortrag wurden das erstmals angewendete Verfahren zur nachträglichen Entwässerung des Deichkerns im Horizontalbohrverfahren sowie die Sicherung der Binnenböschung durch eine Dübelwand (mit einer Einbindetiefe von bis zu 18 m) erläutert. Diese vorlaufenden Sicherungsarbeiten ermöglichen erst die eigentliche Deicherhöhung, die sich aufgrund des Kleieinbaus über mehrere Baujahre bis zur voraussichtlichen Fertigstellung des letzten Bauabschnittes in das Jahr 2030 hinziehen wird.

 

In dem letzten Vortrag erläuterte Volker Knuth (NLWKN) die historische Entwicklung und Funktion des Poldersystems zum Schutz der Stadt Oldenburg. Die Polder wurden ursprünglich erstellt, um den Wasserstand bei einer Sturmflut zu reduzieren und so die Stadt zu schützen. Nach dem Bau des Huntesperrwerkes werden die Polder zum Hochwasserschutz (Rückstau eines Binnenhochwassers im Sturmflutfall) genutzt. Durch die nacheinander erfolgende ungesteuerte Flutung der Polder durch Überlaufschwellen kann die Hochwassersituation in der Stadt Oldenburg deutlich entschärft werden. Die Polder haben eine Gesamtgröße von ca. 965 ha mit einem Speichervolumen von ca. 26 Mio. m³.

 

Für den zweiten Teil der Veranstaltung mussten sich die Teilnehmer entscheiden, an welcher der zwei angebotenen Exkursionen sie teilnehmen. Die erste Exkursion führte zu dem am Vormittag vorgestellten Bereich der Außendeichsiedlung Lemwerder, dort wurden in der Örtlichkeit weitere Details und Besonderheiten von Kai Wienken erläutert. Bei einem Gang entlang der Hochwasserschutzwand wurde auch über Erhöhungsvarianten in Form von Glaswänden und mobilen Schutzelementen diskutiert. Letztlich überzeugte die gewählte Vorzugsvariante in Form einer Erhöhung des Betonholmes.

 

Bild 3: Im Jade-Warpeler-Siel erläutert Fritz-Harald Strodthoff-Schneider (erster von Links) den Exkursionsteilnehmern die besondere Funktion des Bauwerkes für den Hochwasserschutz in dieser Region.

 

Die zweite Exkursion führte Petra Henken zu den Deichbaustellen am Jadebusen. Dort wurde von Johannes Pannenmann (NLWKN) die mit der Nationalparkverwaltung abgestimmte und möglichst umweltschonende Vorlandkleigewinnung sowie der in mehreren Phasen erfolgende Kleieinbau vorgestellt. Es ist die erste Vorlandkleigewinnung in dieser Region seit den 1980er Jahren. Die Kleientnahme sowie die bisherigen Einbaubereiche am Deich und die Neubaustelle des Sielbauwerkes an der Jade (Jade-Wapeler-Siel) wurden besichtigt. Neben der Darstellung und Erläuterung der Bauausführung durch Jörg Panthel von der IPP Ingenieurgesellschaft Possel u. Partner GmbH & Co. KG stellte auch Fritz-Harald Strodthoff-Schneider (Verbandsvorsteher Entwässerungsverband Jade) die besondere Funktion dieses Bauwerkes für den Hochwasserschutz in dieser Region dar.

 

Bild 4: Über die Siel und Deichbaustelle am Jade-Warpeler-Siel führte Jörg Panthel (erster von Links) mit anschaulichen Erläuterungen 

 

Insgesamt war der Ablauf der mit 125 Personen sehr gut besuchten Veranstaltung so gestaltet, dass neben den Fachvorträgen und Exkursions-Erläuterungen auch ein reger fachlicher Austausch untereinander und mit den Vortragenden stattfand.

 

Die Folien zu den Vorträgen können auf der Internetseite des BWK-Landesverbandes Niedersachsen und Bremen unter http://www.bwk-niedersachsen.de/index.php?id=159 eingesehen werden.

 

Wilfried Seemann