09.06.18 00:00 Alter: 190 Tage

Exkursion nach Spanien

Rubrik: BWK

 

Die jährliche Auslandsexkursion des BWK-Landesverbandes Niedersachsen und Bremen führte dieses Jahr nach Nord-und Zentralspanien. Vom 15. bis 23.Oktober 2017 erkundeten 27 Teilnehmer Orte wie Tarragona, Reus, Zaragossa, Logrono, Burgos, Salamanca, Avila , Segovia, El Escorial und Madrid. Bereits am Anreisetag war nach dem Flug nach Barcelona, das wir aus Zeitgründen nicht besucht haben, ein Wasserbauwerk der besonderen Art in Tarragona zu bewundern. Der im 1. Jahrhundert n.Chr. unter Kaiser Augustus gebaute Aquädukt führte Trinkwasser in die bedeutende römische Hafenstadt Tarrasco  (heute Tarragona). Der 27 m hohe und 217 m lange Aquädukt ist ohne Mörtel aus großen Quadern zusammengesetzt. Im Mittelalter haben sich die Menschen nicht vorstellen können, wie ein derartiges Werk ohne Hilfe des Teufels entstehen konnte – noch heute nennt der Volksmund den Aquädukt Teufelsbrücke.

Die aktuellen politischen Spannungen zwischen Madrid und Katalonien haben den Ablauf der Reise nicht nachteilig beeinflusst. Aber sie waren z.B. in Reus spürbar. Reus liegt in der Nähe von Tarragona in Katalonien und war für die ersten beiden Nächte unser Standort. Nach dem Abendessen bummelten einige von uns zu einem stimmungsvollen Platz in der Altstadt und erlebten dort eine lautstarke Sympathiekundgebung für Katalonien. Auf jedem 5. Balkon mit einer Katalonienflagge schlugen gegen 23 Uhr Bürger mit einem Kochlöffel auf einen Kochtopf- eine friedliche und geräuschvolle Demonstration für die Selbstständigkeit Kataloniens.

Von Reus unternahmen die Gruppe zwei ganztägige wasserwirtschaftliche Exkursionen. Dank der exzellenten Vorarbeit unseres BWK-Mitgliedes Jörg Janning wurden uns zunächst die besonderen Lösungen zur Bewässerung der umfangreichen Reisanbauflächen im Mündungsdelta des Flusses Ebro  von spanischen Verbandsingenieuren vorgestellt. Ein wichtiges Element der Wasserwirtschaft dieses Gebiet ist ein Kanal, der bereits im 19.Jahrhundert als Schifffahrtskanal zur Verbindung der wichtigen Stadt Zaragossa mit dem Mittelmeer errichtet worden war. Heute führt dieser Kanal Süßwasser des Ebro von einem Abzweigbauwerk etwa 35 km oberhalb der Mündung des Flusses bis in das Reisanbaugebiet. Wir besichtigten das Abzweigbauwerk. Der Ebro wird an dieser Stelle durch ein Streichwehr aufgestaut, sodass der Kanal 27 cbm pro Sekunde gleichmäßig über das gesamte Jahr in freiem Gefälle den Reisanbauflächen zuführen kann. Am Ende des Kanals können an einem Stauwehr mächtige Schneckenpumpen überschüssiges Wasser in das Mittelmeer pumpen, damit kein salziges Meerwasser in die Reisanbaugebiete eindringen kann. Natürlich wird vor allem dann gepumpt, wenn der Strom besonders preiswert ist-also in der Nacht. Die Wasserzuteilung für die einzelnen Flächen wird durch einen Wasserverband geregelt – übrigens auch für ein großes Naturschutzgebiet im Flussdelta.

Auch am nächsten Tag war die Wasserwirtschaft das Hauptthema. Die Flächen zwischen den Pyrenäen und der Stadt Zaragossa sind sehr regenarm, sodass über Jahrhunderte diese Region als eines der Armenhäuser Spaniens galt. Andererseits fließen durch dieses Gebiet einige wasserreiche Flüsse. Deshalb wurde bereits im 17. Und 18. Jahrhundert  Wasser diesen Flüssen entnommen und in freiem Gefälle zur Bewässerung flussnaher Gebiete genutzt. Insbesondere unter General Franko wurden diese Möglichkeiten erheblich ausgebaut. Höhepunkt war die Einweihung des Stausees Embalse de Yesa im Jahr 1959. Dieser Stausee/Talsperre wird vom Fluss Aragon gespeist, der in den Vorpyrenäen entspringt. Die Talsperre dient mit ihrem Stauvolumen von 450 Mio. cbm vor allem der Bewässerung des trockenen Bardenas- Gebietes. Der Hauptwasserkanal leistet bis zu 25 cbm pro Sekunde und ist mehr als 100 km lang. Heute werden vorrangig  große Kreisregner zur Bewässerung/Beregnung eingesetzt, sodass in den letzten Jahrzehnten  viele Pumpwerke, Rohrleitungen und Speicherbecken gebaut werden mussten. Auch hier wird im Rahmen eines EU-Projektes versucht, Strom durch intelligente Wasserbewirtschaftung  einzusparen. Wir besichtigten u.a. das Speicherbecken am südlichen Ende des Gesamtgebietes, das mit etwa 20 Meter Dammhöhe und einem Wasserschloss von 35 Metern Höhe zur Aufnahme von Druckstößen beeindruckte. Angebaut wird im Gebiet überwiegend Mais als Grundlage für eine intensive Viehwirtschaft. Wir waren nach Ende der Vegetationszeit im Bardenas-Gebiet, die Feldfrüchte waren abgeerntet, die großen Flächenregner still gelegt, die großen Kanäle nicht mehr geflutet und die bereits erwähnte Talsperre am Rande der Pyrenäen war nur noch zu 22 % gefüllt.

Am nächsten Tag verließen wir das Ebro-Einzugsgebiet in Richtung Duero/Douro  und später in Richtung Tajo/Tejo, die beide in Richtung Westen zum Atlantik fließen. Diese 3 Flüsse sind die längsten und wasserreichsten Flüsse in Spanien. Weiter im Süden des Landes besteht Wassermangel. Seit langem gibt es Planungen, einen Teil des Ebro-Wassers über 800 km weit in den Süden Spaniens zu leiten. Die Einwohner Aragons und Kataloniens wehren sich heftig gegen solche Planungen Madrids – auch dieses ist ein Indiz für die Spannungen zwischen Barcelona und Madrid. So muss in Almeria weiter Meerwasser mit viel Energie entsalzen werden, um Gemüse und Obst anbauen zu können. Die Kosten sollen angeblich um 30% über denen für das Ebro- Wasser liegen.

Nach drei  wasserwirtschaftlichen Tagen folgten Kulturerlebnisse der besonderen Art in mehreren mittelalterlichen Städten, die nicht- wie vielfach in Deutschland-  durch Kriegseinwirkungen zerstört waren. Die Geschichte Spaniens findet ihren Niederschlag u.a. in großartigen Kathedralen, die vor allem nach der Vertreibung der Mauren im 12. Und 13.Jahrhundert und dann nach der Eroberung von Südamerika  vom 16. bis zum 18. Jahrhundert errichtet wurden. So z.B. die Basilika in Zaragossa, ursprünglich eine romanische und gotische Kirche, heute die größte Barockkirche Spaniens.  In Burgos besichtigten wir den drittgrößten  Kirchenbau Spaniens – ein Weltkulturerbe. In dieser Stadt wurde übrigens der mittelalterliche Held El Cid geboren, ein berühmter spanischer Freiheitsheld. Salamanca hat die älteste spanische Universität und ist wie auch die folgenden Städte Avila und Segovia Weltkulturerbe. Besonders beeindruckte in Salamanca neben der alten Universität (heute im wesentlichen Kulturdenkmal)  der große Platz, der Plaza Mayor, der als schönster Platz Spaniens gilt. In Avila wanderten wir auf der mächtigen Stadtmauer, die mit einer Länge von 2,5 km die gesamte Altstadt umfasst. Segovia liegt 1100 m über NN, also fast so hoch wie der höchste Berg im Harz. Die Wasserversorgung dieser Stadt wurde bis 1974 über einen mächtigen Aquädukt sichergestellt, der von den Römern im 1.und 2. Jahrhundert n.Chr. errichtet wurde. Aber im Gegensatz zu dem Bau in Tarragona liegt diese „Teufelsbrücke“ mitten in der Stadt  und ist mit 728 Meter Länge auch deutlich länger als in Tarragona.

Zum Abschluss der Reise besuchten wir den riesigen Palast El Escorial vor den Toren von Madrid, den Philipp der Zweite im 16. Jahrhundert errichten ließ, und natürlich Madrid selbst. Es würde den Rahmen eines Berichts für diese Zeitschrift sprengen, wenn ich darüber berichten würde. Aber so viel sei angemerkt: Die Madrilenen leben deutlich anders als wir Mitteleuropäer. Sie leben weniger in ihren Häusern sondern vielmehr auf ihren häufig verkehrsberuhigten Straßen, Plätzen und in ihren zahlreichen Grünanlagen. Und es ist auffallend sauber in den besuchten Orten und Städten. In Madrid haben wir z.B. einen kulturell bedingten Schaftrieb mitten durch das Herz der Stadt erlebt, bei dem unmittelbar hinter dem letzten Schaf Kehrmaschinen die Hinterlassenschaften der Tiere sofort aufgenommen haben.

Ein Wort noch zur Esskultur: Wenn man die Reiseteilnehmer fragen würde, was in der nächsten Reise nicht fehlen sollte, wäre die Antwort eindeutig: Tapas und Rotwein – wie z.B. in Logrono. Geht natürlich nicht, denn im Jahr 2018 fahren wir nach Norwegen.

Jörg Müller

 Aquädukt bei Tarragona

 

 Im Bewässerungspumpwerk Bardenas-Gebiet

 

Pumpwerk im Ebro Delta

 

 Wehrmauer in Avila