28.05.19 00:00 Alter: -163 Tage

Norwegenexkursion des BWK-Landesverbandes Niedersachsen und Bremen

Rubrik: BWK

 

Norwegens Wasserkraftwerke waren das zentrale wasserwirtschaftliche Thema unserer Exkursion  im Jahr  2018. Vom 11. bis 20.Juni  fuhren 40 Teilnehmer - BWK-Mitglieder mit ihren Partner/innen – mit Bus und Schiff nach und durch Norwegen. Wir wollten vor Ort die Anlagen besichtigen, mit denen insgesamt 99 Prozent des Norwegischen Strombedarfs aus Wasserkraft gewonnen wird. Nach längeren Gesprächen mit Statkraft, das alle großen Wasserkraftanlagen in Norwegen betreibt, waren wir während dieser Reise mehrfach Gäste dieses Unternehmens.

Bereits am 2.Tag unserer Fahrt besichtigten wir das weit verzweigte System des Ulla-Forge-Projektes in Kvillldal und Hylen, etwa 100 Kilometer östlich von Stavanger. Aus verschiedenen Einzugsgebieten in einer Höhe von 500 bis 1100 Metern über NN wird das Wasser über Stollen und mächtige Rohrleitungen in mehreren Stufen in einen Fjord eingeleitet. Das von uns besuchte dritte und letzte Wasserkraftwerk dieses Systems, Hylen nutzt das Druckpotential von nur noch 80 Metern für eine Energiegewinnung von 160 Megawatt. Insgesamt kann das System 2020 Megawatt elektrische Energie liefern, das entspricht der Leistung von 2 Kernkraftwerken. Wir durften den Stausee in 80 m über NN, die in den Berg gesprengte Kraftwerkhalle sowie den Auslauf in den Fjord besuchen. Eine Besonderheit des Ulla-Forge- Projektes ist die Möglichkeit, Wasser kurzfristig aus Speicherseen in höher gelegene Seen zu pumpen und später zur Energiegewinnung wieder abzugeben. Dieses System der Pumpspeicherwerke könnte mit der Realisierung der so gennannten Nordlink-Leitung und einer ähnliche Stromleitung nach Großbritannien besonders interessant werden. Denn dann könnte bei geringem Strombedarf in Deutschland überschüssiger Windkraftstrom insbesondere aus Norddeutschland nach Norwegen geleitet, für das Füllen der Pumpspeicherwerke  genutzt und bei hohem Strombedarf nach Deutschland zurück geleitet werden. Technisch und wirtschaftlich wäre das Projekt machbar, politisch ist diese Art der Stromnutzung vor allem wegen der geplanten oberirdischen Trassenführung der Stromleitungen in Norwegen umstritten.

Noch am gleichen Tag wurde uns ein inzwischen still gelegtes Wasserkraftwerk (Tyssedal) gezeigt, das in ein exzellentes Museum zur Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Region im 20. Jahrhundert umgewandelt wurde. Entscheidend für diese früher sehr ländlich geprägte Region war der Bau eines Aluminiumwerkes nach dem 1.Weltkrieg direkt am Fjord bei Tyssedal , dessen wirtschaftlicher Betrieb nur durch die Lieferung preiswerter elektrischer Energie gewährleistet werden konnte. Das dafür gebaute Wasserkraftwerk wurde von 1920 bis 1980 erfolgreich betrieben. Ein Unfall infolge eines Druckstoßes und mangelnde Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu moderneren Wasserkraftwerken beendeten den Betrieb in Tyssedal.

Einige Tage später durfte eine ausgewählte Gruppe unserer Ingenieure das Sima-Kraftwerk am Eidfjord besichtigten. Wir fuhren mit unserem Bus!! tief in den Berg hinein und bestaunten dann zu Fuß die riesige Turbinen- und Generatorhalle. Besonders anschaulich wurde die Stromgewinnung durch ein riesiges Pelton-Turbinen-Rad demonstriert, das ausgebaut und in der Halle zur Reparatur gelagert wird. In diesem Kraftwerk wird der Wasserdruck von 1100 Metern durch eine Rohrleitung, die sich von 3,90 Metern auf weniger als einen Meter verjüngt, auf die Turbinen und Generatoren übertragen. Die elektrische Leistung des Sima-Kraftwerkes entspricht mit 1120 Megawatt der eines modernen Kernkraftwerkes.

Weitere bautechnische Meisterwerke, die wir besuchten, waren:

Die berühmte Passstraße Trollstigen,in deren Haarnadelkurven sich Busse nicht begegnen dürfen,

Die Atlantikstraße zwischen Molde und Kristiansund, die zahlreiche Inseln über spektakuläre Brücken mit dem Festland verbindet,

Die Konstruktion der berühmten Ski-Sprungschanzen in Lillehammer und Holmenkollen/Oslo,

Das moderne Opernhaus in Oslo direkt am Fjord in der Form und Farbe eines Eisberges.

Aber neben diesen technischen Meisterwerken kam auch die Kultur nicht zu kurz. Der Besuch eines Klavierkonzertes in dem von Edvard Grieg geschaffenen Konzertsaal ,  einer Stabkirche und eines Museumsdorfes vermittelte den Reiseteilnehmern einen Blick in die Vergangenheit Norwegens vor dem Reichtum durch die Erdölexploration und in Oslo genossen wir eine Führung durch den Skulpturenpark des Bildhauers Gustav Vigeland.

Für die An-und Abfahrt nach und von Norwegen nutzten wir mit unserem Bus die Nacht-Fährverbindungen der Fjord- und der Color-Line- beide Fahrten vermittelten ein wenig Kreuzfahrtfeeling.

Nach 10 erlebnisreichen Tagen trafen alle 40 Teilnehmer gesund und zufrieden in ihren Heimatorten wieder ein. Im Jahr 2019 wollen wir nach Südfrankreich fahren –zur Wasserwirtschaft im Rhone Tal.

Jörg Müller

Auslands-Exkursionsleiter
des BWK-Landesverbandes Niedersachsen und Bremen

 

Hylen -Wasserkraftwerk -Wasserauslauf in den Fjord

 

Tyssedal-Wasserkraftmuseum

 

Pelton-Turbine im Sima- Kraftwerk